Treffende Worte

11 Hv 53/2010i des LG Steyr

Nach mehr als 30 Jahren wurde die Lebensgemeinschaft zwischen Anita N. und ihrem (vormaligen) Lebensgefährten Christian H. mehr oder weniger im Einvernehmen aufgelöst. Dabei wurden in finanzieller Hinsicht einvernehmliche Regelungen getroffen, wonach Christian H. ein überzogenes Girokonto ausgeglichen, einen gemeinsam angeschafften Zweit-PKW sowie die gesamte Wohnungseinrichtung seiner „Ex“ überlassen und für drei Monate im Voraus die (von ihm verlassene) Mietwohnung weiterbezahlt hat. Anita N. verschaffte sich dessen ungeachtet heimlich eine Kreditkarte von Christian H. und tätigte mehrmals Barabhebungen zu Lasten dessen Konto in Höhe von insgesamt über € 4.000,00, bis dieser schließlich die Karte sperren ließ.

Im Rahmen des gegen sie wegen Betrug eingeleiteten Strafverfahrens verantwortete sich Anita N. unter anderem damit, dass sie deswegen zu den Geldbehebungen berechtigt gewesen sei, weil sie das Geld für Ratenzahlungen auf den Kaufpreis eines gemeinschaftlich angeschafften Laptops und Kühlschranks (die beide von Christian H. zurückgelassen wurden) sowie für ihren eigenen und den Unterhalt der gemeinsamen Tochter sowie für die Bezahlung der Wohnungsmiete nötig habe! Anita H. gab in der Verhandlung unter anderem zu Protokoll:„Mir ist sehr wohl bewusst, dass ich als ehemalige Lebensgefährtin keinen Anspruch habe, aber dafür durfte ich dreißig Jahre den Trottel spielen.“

Das Gericht sprach Anita N. für schuldig. Nach Ansicht des Gerichts sei Anita N. auch bewusst gewesen, dass sie keine vermögenswerte Gegenforderungen gegen Christian H. habe und führte – unter Hinweis auf die oben wiedergegebene Verantwortung der Anita N. – im Urteil wörtlich aus: „Der von der Angeklagten ohnedies selbst in treffende Worte gefasste Vorsatz,sich durch die Bargeldbehebungen auf Kosten des Christian H. unrechtmäßig zu bereichern, ist damit evident.“

Der Schuldspruch wurde nicht weiter bekämpft.

Anmerkung:

Manchmal kann es für den Angeklagten vorteilhaft sein, zu schweigen …..